Schatten und Licht
von Elke Ostländer, 2007

Wir sehen erst, worauf das Licht fällt. Was im Dunklen bleibt, kann vom Auge nicht erfaßt werden. Zwischen Hell und Dunkel entfaltet sich auch die Farbe nicht vollständig; im Zwielicht erscheint alles schemenhaft.

Ali Kaaf nutzt Pigment, Kohle oder Tusche zur Erforschung der Grenzen von Figur und Raum. In Malerei und Zeichnung beobachtet er die Beziehung des Körpers und seiner Umgebung. Abgekürzt und fragmentarisch sind Geste und Ausdruck. Die erzielte Wirkung ist sehr direkt, trotz der sparsamen Mittel. Wenige, entschieden gesetzte Linien, ein dichtes Farbfeld vor dem frei gelassenen Grund - zeichenhaft, kategorisch, absolut die Aussage.

Ein Video fügt Einzelbilder zur bewegten Folge zusammen: in ihrer Betrachtung entwickelt sich das Konzept der Ideen des Künstlers. Feuer oder das Messer schneiden das Motiv aus dem Bild heraus, es verglüht. Eine Fehlstelle entsteht im Foto. Wo sich die Abbildung zeigte, bleibt nur ein weißer Fleck.

Wir stehen im Licht und erfahren die Kunstwerke als eine besondere Art, etwas sichtbar zu machen. Unser Schatten begleitet uns immer. Das Dunkel ist nicht fern. „Willst du unter den Menschen leben, so Lerne verehren zuvorderst den Schatten.“ [1]

[1] Adelbert von Chamisso, Peter Schlemihl